Wer das Elsass fotografieren möchte, findet auf kurzer Strecke erstaunlich viele Motive: die Kanäle und farbenfrohen Fassaden von Colmar, die ringförmigen Gassen von Eguisheim und die stille Atmosphäre alter Weinkeller. Gerade diese Mischung macht eine Fototour spannend. Statt nur einzelne Sehenswürdigkeiten abzuhaken, lässt sich hier eine zusammenhängende Bildgeschichte erzählen – vom weiten Stadtmotiv über Architektur und Straßenszenen bis zum kleinen Detail an einem historischen Weinfass.
Colmar fotografieren: Wasser, Fachwerk und lebendige Straßen

Ein guter Ausgangspunkt ist Klein-Venedig. Der Name bezeichnet den Abschnitt der Lauch, der sich vom Viertel der Fischhändler bis zu den Brücken Turenne und Saint-Pierre zieht. Vom Ufer und von den Brücken entstehen die klassischen Ansichten mit Wasser, Fachwerk und Spiegelungen. Am frühen Morgen ist es meist ruhiger; am späten Nachmittag wirkt warmes Seitenlicht besonders schön auf den Fassaden.
Für ein ausgewogenes Bild lohnt es sich, nicht nur das bekannteste Panorama aufzunehmen. Eine starke Serie braucht unterschiedliche Einstellungsgrößen: Beginnt mit einer Übersicht, sucht anschließend einzelne Fassaden und schließt mit Details wie Fensterläden, Schildern oder einer Brunnenfigur ab. Bei Architekturaufnahmen helfen ein möglichst gerader Kamerastand und etwas Abstand. So kippen die Häuser weniger stark nach hinten. Eine Brennweite im Bereich von etwa 24 bis 50 Millimetern ist für viele Straßenszenen praktisch.


Wenn viele Besucher unterwegs sind, muss man nicht zwingend warten, bis die Straße leer ist. Einzelne Personen können Größenverhältnisse zeigen oder einen Blickfang bilden. Entscheidend ist, den Bildrand zu kontrollieren und einen klaren Hauptdarsteller zu wählen. Wer lieber menschenleere Aufnahmen möchte, arbeitet früh am Tag, nutzt ruhigere Seitengassen oder wartet geduldig auf kurze Lücken.

Neben Klein-Venedig bieten auch das Fischerviertel, das Koïfhus und das 1537 erbaute Pfisterhaus markante Motive. Sie liegen nah beieinander und lassen sich gut zu Fuß verbinden. Plant trotzdem genügend Zeit ein: Die besten Bilder entstehen selten im schnellen Vorübergehen.
Eguisheim fotografieren: Gassen, Blumen und Störche
Eguisheim ist anders aufgebaut als Colmar. Der mittelalterliche Ort entwickelte sich in konzentrischen Ringen um die Burg. Dadurch folgen die schmalen Straßen sanften Kurven – ideal für führende Linien und Bilder mit räumlicher Tiefe. Seit 2003 zählt Eguisheim zum Netzwerk der „schönsten Dörfer Frankreichs“; 2013 wurde es in einer französischen Fernsehsendung zum beliebtesten Dorf Frankreichs gewählt. Weitere Informationen bietet die offizielle Tourismusseite von Eguisheim.


Für die Gassen eignet sich eine kleine bis mittlere Blende, beispielsweise f/5,6 bis f/8. Damit bleiben Vordergrund und Häuser ausreichend scharf. Prüft regelmäßig die Belichtungszeit: Zwischen hellen Plätzen und schattigen Gassen ändert sich das Licht schnell. Die ISO-Automatik mit einer sinnvollen Mindestverschlusszeit kann hier sehr hilfreich sein.
Besonders reizvoll sind die vielen Ebenen: ein Torbogen im Vordergrund, Blumen am Fenster und eine Person weiter hinten im Bild. Solche Motive wirken stärker, wenn nicht alles exakt in der Mitte sitzt. Gleichzeitig sollte man Türen und private Eingänge respektvoll fotografieren und keine Bewohner behindern.


Auch Störche gehören zur elsässischen Bildwelt. Für Nester und Vögel ist ein Teleobjektiv ab etwa 100 Millimetern hilfreich. Wählt eine kurze Verschlusszeit, sobald sich der Vogel bewegt oder auffliegt. Ein Foto des gesamten Nestes zeigt den Lebensraum; eine engere Aufnahme konzentriert sich auf Haltung, Gefieder und Blickrichtung.

Weinkultur im Bild: historische Fässer im Weingut Lipp
Weinberge und Keller gehören zur Geschichte der Region. Beim Weingut Lipp haben wir ein historisches Holzfass und ein außergewöhnliches Detail daran fotografiert. Solche Motive sind für eine Reportage besonders wertvoll: Sie ergänzen die bekannten Ortsansichten um Handwerk, Material und Patina.


In Innenräumen ist meist wenig Licht vorhanden. Fotografiert deshalb nach Möglichkeit im RAW-Format und stabilisiert die Kamera am Körper oder an einer festen Auflage. Eine offene Blende und eine höhere ISO-Zahl sind oft sinnvoller als eine verwackelte Aufnahme. Beim Weißabgleich darf die warme Stimmung des Kellers erhalten bleiben; wichtig ist, dass Holz und Metall glaubwürdig wirken. Blitzlicht sollte nur nach Rücksprache eingesetzt werden.
Wechselt auch hier zwischen Gesamtaufnahme und Detail. Zuerst zeigt ein größeres Bild, wo sich das Fass befindet. Danach konzentriert sich eine Nahaufnahme auf Gravuren, Beschläge, Maserung oder Gebrauchsspuren. So entsteht aus wenigen Motiven eine kleine, verständliche Geschichte.
Welche Ausrüstung eignet sich für eine Elsass-Fototour?
- Standardzoom: Ein Bereich von ungefähr 24–70 Millimetern deckt Gassen, Gebäude und Reportagemotive ab.
- Weitwinkel: Hilfreich in engen Straßen, aber mit Bedacht einsetzen, damit Häuser am Rand nicht unnatürlich verzerrt wirken.
- Teleobjektiv: Für Störche, Fassadendetails und verdichtete Straßenszenen.
- Polfilter: Kann Spiegelungen auf Wasser oder Glas reduzieren, nimmt aber Licht weg und verändert nicht jede Reflexion gleich stark.
- Ersatzakku und Speicherkarte: Kleine Reserve, große Wirkung – besonders bei einer Tagestour.
- Leichtes Stativ: Für ruhige Innenräume oder die blaue Stunde nützlich; örtliche Regeln und Durchgänge beachten.
Eine sinnvolle fotografische Reihenfolge
Beginnt den Tag möglichst früh in Colmar, wenn an den Kanälen noch Ruhe herrscht. Nutzt die erste Stunde für Übersichten und Fassaden. Danach sind Details, Marktgeschehen und Straßenszenen interessant. Eguisheim lässt sich gut am späteren Nachmittag fotografieren, wenn das Licht flacher wird und die Gassen mehr Tiefe bekommen. Für Keller- und Weinmotive solltet ihr genügend Zeit und eine vorherige Erlaubnis einplanen.
Versucht am Ende jeder Station fünf Bildarten im Kasten zu haben: Übersicht, mittlere Ansicht, Detail, Mensch oder Tier im Umfeld und ein überraschendes Motiv. Diese kleine Checkliste verhindert, dass später zehn fast gleiche Fassadenbilder nebeneinanderstehen.
Fotowochenende Elsass: gemeinsam bewusster fotografieren
Wer die Region nicht nur besuchen, sondern fotografisch intensiver entdecken möchte, kann sich unsere Kursvorschau für das Fotowochenende Elsass ansehen. Vorgesehen ist das Wochenende 18. und 19. September 2027 mit Weinbergen, Eguisheim, Colmar und einem geplanten Besuch beim Weingut Lipp. Der Kurs befindet sich derzeit noch in der Planung und ist noch nicht buchbar; Programm, Zeiten, Weinprobe und Preis werden erst nach der endgültigen Bestätigung veröffentlicht.
Weitere Ziele und praktische Anregungen findet ihr in unseren Fotospots in der Region. Ob auf eigene Faust oder später gemeinsam im Kurs: Wer das Elsass fotografieren möchte, sollte nicht nur nach Postkartenmotiven suchen. Gerade der Wechsel aus bekannten Ansichten, leisen Details und echten Alltagsszenen macht die persönliche Bildserie besonders.
