Veröffentlicht am 27.07.2018 · Aktualisiert am 10.09.2026
Eine Mondfinsternis stellt andere Anforderungen als ein normaler Vollmond: Während der Totalität wird der Mond deutlich dunkler, Belichtungszeit und ISO müssen angepasst werden und bei langen Brennweiten wird Bewegung schnell sichtbar. Der ursprüngliche Beitrag entstand zur Mondfinsternis 2018. Heute findest du hier einen allgemeinen Leitfaden, den du bei jeder zukünftigen Mondfinsternis verwenden kannst.
1. Planung: Zeit, Richtung und Standort
Prüfe vorab, wann die einzelnen Phasen der Finsternis an deinem Standort sichtbar sind und wie hoch der Mond über dem Horizont steht. Suche einen Platz mit freier Sicht in die entsprechende Richtung. Wenn du den Mond zusammen mit Landschaft oder Architektur fotografieren möchtest, lohnt sich eine Standortplanung besonders.
Packe die Kamera frühzeitig aus, prüfe Akku und Speicherkarte und gib dem Material bei großen Temperaturunterschieden etwas Zeit zur Anpassung.
2. Welche Brennweite ist sinnvoll?
Mit einem Teleobjektiv wird der Mond groß im Bild. Für einen einzelnen Mond sind 200 mm und mehr interessant; wie groß er tatsächlich auf dem Sensor erscheint, hängt zusätzlich vom Sensorformat ab. Mit kürzeren Brennweiten kannst du die Mondfinsternis als Teil einer Landschaft zeigen.
Beide Ansätze sind fotografisch spannend. Ein enger Ausschnitt zeigt Details, ein weiter Bildwinkel erzählt mehr über Ort und Atmosphäre.
3. Stativ und Auslösen ohne Verwacklung
Ein stabiles Stativ ist bei längeren Brennweiten und während der dunkleren Phasen sehr hilfreich. Nutze einen Fernauslöser oder den kurzen Selbstauslöser. Bei spiegellosen Kameras gibt es keinen Spiegelschlag; bei älteren DSLRs kann je nach Modell eine Spiegelvorauslösung sinnvoll sein.
Wie du ein Stativ stabil aufbaust, zeige ich in Stativ richtig aufbauen – 10 Tipps.
4. Fokus: nicht blind auf den Unendlich-Anschlag verlassen
Fokussiere auf den Mond oder einen hellen Stern und vergrößere die Ansicht im Display. Der mechanische Unendlich-Anschlag eines Objektivs muss nicht exakt der optimalen Schärfe entsprechen. Wenn der Fokus sitzt, schalte auf manuellen Fokus oder verhindere, dass die Kamera bei jeder Aufnahme neu sucht.
Mehr dazu: Autofokus richtig nutzen – wann manueller Fokus besser ist.
5. Belichtung während einer Mondfinsternis
Der entscheidende Punkt: Es gibt keine einzige Einstellung für die gesamte Finsternis. Während der partiellen Phase kann der beleuchtete Teil des Mondes noch sehr hell sein. In der Totalität wird der Mond deutlich dunkler und kann rötlich erscheinen. Du musst Belichtungszeit, ISO und gegebenenfalls Blende deshalb im Verlauf anpassen.
Starte im manuellen Modus und kontrolliere Histogramm sowie die hellen Bereiche. Vermeide ausgefressene Lichter in den hellen Mondpartien. Während der Totalität darf die ISO deutlich steigen, wenn du dadurch die Belichtungszeit kurz genug halten kannst.
6. Warum die Belichtungszeit bei Teleobjektiven kritisch ist
Bei langen Brennweiten wird die scheinbare Bewegung des Mondes schneller sichtbar. Eine zu lange Belichtungszeit kann Details weichzeichnen. Deshalb ist es oft sinnvoller, die ISO anzuheben, statt die Belichtungszeit immer weiter zu verlängern.
Welche Zeit noch funktioniert, hängt von Brennweite, Sensorauflösung, gewünschter Ausgabegröße und der aktuellen Helligkeit des Mondes ab. Prüfe deshalb regelmäßig in der Vergrößerung.
7. Blende: nicht automatisch ganz offen
Ein lichtstarkes Objektiv hilft, aber die maximale Offenblende ist nicht zwingend die schärfste Einstellung. Viele Objektive gewinnen leicht abgeblendet an Detailzeichnung. Während einer dunklen Totalität kann die zusätzliche Lichtstärke der Offenblende allerdings wichtiger sein als der kleine Schärfegewinn durch Abblenden.
8. RAW fotografieren
Bei einer Mondfinsternis empfehle ich RAW, weil du Weißabgleich, Lichter, Schatten und Rauschreduzierung später flexibler bearbeiten kannst. Die rötliche Farbe des sogenannten Blutmondes solltest du nicht durch extreme Farbregler erzeugen – sie entsteht physikalisch und lässt sich in einer zurückhaltenden RAW-Entwicklung gut erhalten.
Mehr dazu findest du in RAW oder JPEG – welches Dateiformat ist besser?.
9. Eine Bildserie statt nur eines Fotos
Eine Mondfinsternis lebt von ihrer Veränderung. Fotografiere mehrere Phasen mit ähnlichem Bildausschnitt. Daraus kannst du später eine Serie oder eine Montage erstellen. Wenn du eine Montage planst, halte Brennweite und Kameraposition möglichst konstant.
10. Bildbearbeitung: weniger ist oft mehr
Beginne mit Weißabgleich und Belichtung. Reduziere Lichter vorsichtig, hebe Schatten nur bei Bedarf an und schärfe zurückhaltend. Bei hoher ISO ist Rauschreduzierung sinnvoll, sie darf aber feine Mondstrukturen nicht glattbügeln.
Das folgende Video stammt aus meinem ursprünglichen Blutmond-Beitrag und zeigt meinen damaligen Lightroom-Workflow. Die Oberfläche von Lightroom hat sich seitdem verändert, die Grundidee einer kontrollierten Entwicklung bleibt aber nachvollziehbar.
Mein Praxistipp
Lege dir vor Beginn drei Testvarianten an: eine für den hellen Mond, eine mittlere und eine für die dunkle Totalität. Dann musst du während der Finsternis nicht jedes Mal bei null anfangen. Kontrolliere trotzdem regelmäßig die Ergebnisse, denn Helligkeit und Farbe verändern sich laufend.
FAQ zur Mondfinsternis-Fotografie
Welche ISO ist richtig?
Es gibt keinen festen Wert. Verwende die niedrigste ISO, mit der du bei deiner Brennweite noch eine ausreichend kurze Belichtungszeit erreichst. Während der Totalität darf die ISO deutlich höher liegen als bei einem normalen Vollmond.
Brauche ich einen Fernauslöser?
Nein. Ein kurzer Selbstauslöser reicht in vielen Situationen völlig aus.
Warum ist der Mond auf meinen Bildern unscharf?
Typische Ursachen sind Fehlfokus, zu lange Belichtungszeit, Verwacklung oder atmosphärische Unruhe. Prüfe die Aufnahme deshalb direkt in der Vergrößerung.
Wenn dich Nachtaufnahmen interessieren, passt auch unser Fotokurs Nachtfotografie in Saarbrücken am 24.11.2027.
