Veröffentlicht am 27.12.2022 · Aktualisiert am 10.09.2026
Spiegelungen können ein alltägliches Motiv sofort spannender machen – im See, in einer Pfütze, in Fenstern oder auf nassem Asphalt. Entscheidend sind Kamerastandpunkt, Licht, Oberfläche und Bildaufbau. Hier erfährst du, wie du Spiegelungen bewusst findest und gestaltest, statt nur auf Zufall zu hoffen.
1. Ruhige Wasserflächen suchen
Je ruhiger eine Wasseroberfläche ist, desto klarer kann die Spiegelung wirken. Früh am Morgen oder an windstillen Tagen sind Seen und Teiche häufig besonders geeignet. Kleine Wellen können aber ebenfalls interessant sein, weil sie eine Spiegelung abstrakt aufbrechen.
2. Tiefen Kamerastandpunkt ausprobieren
Bei Pfützen wirkt eine tiefe Perspektive oft stärker, weil mehr Umgebung in der Wasserfläche sichtbar wird. Du musst dafür nicht direkt über der Pfütze stehen – wenige Zentimeter Veränderung im Kamerastandpunkt können das Spiegelbild deutlich verändern.
3. Symmetrie bewusst nutzen
Spiegelungen laden zu symmetrischen Bildaufbauten ein. In diesem Fall darf das Hauptmotiv durchaus mittig stehen. Die häufig zitierte Drittelregel ist hier keine Pflicht.
4. Spiegelung nicht immer vollständig zeigen
Manchmal reicht ein Ausschnitt. Eine Tür, ein Gesicht, ein Baum oder ein farbiges Schild kann in einer Glasfläche nur teilweise sichtbar sein und dadurch spannender wirken.
5. Auf den Fokuspunkt achten
Bei Spiegelungen in Glas oder Wasser entscheidet der Fokus darüber, ob die Oberfläche oder das reflektierte Motiv scharf erscheint. Probiere bewusst beide Varianten aus. Bei schwierigen Situationen kann ein kleines Fokusfeld helfen.
6. Polfilter mit Bedacht einsetzen
Ein Polfilter reduziert Reflexionen – und genau deshalb kann er bei Spiegelungsbildern sowohl hilfreich als auch kontraproduktiv sein. Möchtest du durch Wasser oder Glas hindurchsehen, kann er Reflexionen abschwächen. Möchtest du gerade die Spiegelung betonen, darfst du sie nicht versehentlich wegfiltern.
Mehr dazu findest du im Beitrag Filter in der Landschaftsfotografie.
7. Nasse Straßen als Motiv nutzen
Nach Regen spiegeln Asphalt und Pflaster Lichtquellen besonders schön. Straßenlaternen, Schaufenster und Autoscheinwerfer sorgen für Farbe und Struktur. Dazu passt unser Beitrag Fotografieren bei Regen.
8. Belichtungszeit nach Bildwirkung wählen
Eine kurze Zeit friert bewegtes Wasser ein, eine längere Zeit kann Wellen glätten und Spiegelungen ruhiger erscheinen lassen. Es gibt keinen universellen Wert – die Bewegung des Wassers und die gewünschte Wirkung entscheiden.
9. Auch außerhalb von Wasser suchen
Schaufenster, Metall, Autos, Brillen, glänzende Fassaden und sogar Augen können Spiegelungen erzeugen. Besonders in der Stadt lohnt es sich, die Blickrichtung ständig zu verändern.
Mein Praxistipp: Erst das Spiegelbild suchen, dann das Original
Wenn du bewusst üben möchtest, suche zunächst nur nach der Spiegelung und entscheide danach, wie viel vom eigentlichen Motiv du zusätzlich ins Bild nimmst. So wird die Spiegelung zum Gestaltungselement statt zum Zufall.
Passende Fotokurse
Spiegelungen spielen besonders bei unseren Stadt-Fotowalks eine große Rolle. Passend sind der Fotowalk Saarbrücken am 17.04.2027, der Fotowalk Trier am 04.09.2027 und der Herbst-Fotowalk Saarbrücken am 30.10.2027.
Häufige Fragen
Welche Blende ist für Spiegelungen richtig?
Das hängt davon ab, wie viel Schärfentiefe du möchtest. Es gibt keinen festen Wert wie f/8 für jede Situation.
Ist ein Polfilter sinnvoll?
Ja, wenn du Reflexionen reduzieren möchtest. Wenn die Spiegelung selbst dein Motiv ist, kann er aber genau den gewünschten Effekt abschwächen.
Brauche ich ein Stativ?
Nur bei längeren Belichtungszeiten oder wenn du besonders sorgfältig komponieren möchtest. Viele Spiegelungsbilder entstehen problemlos freihand.
Spiegelungen bewusst sehen

Wasser, Glas und nasse Flächen eröffnen neue Perspektiven.
