Analog fotografieren fühlt sich anders an als digitale Fotografie. Du hast keine sofortige Bildkontrolle, kannst den ISO-Wert nicht nach jeder Aufnahme verändern und nach 24 oder 36 Bildern ist der Film voll. Genau diese Einschränkungen machen für mich einen großen Teil des Reizes aus. Du fotografierst bewusster, schaust genauer hin und überlegst häufiger vor dem Auslösen, wie dein fertiges Bild aussehen soll. Gerade Schwarzweißfilm eignet sich hervorragend, um in die analoge Fotografie einzusteigen.

Warum überhaupt noch analog fotografieren?
Digitalkameras sind heute technisch unglaublich leistungsfähig. Autofokus, hohe ISO-Werte, Serienbilder und sofortige Bildkontrolle machen das Fotografieren komfortabel.
Warum sollte man also freiwillig auf vieles davon verzichten?
Weil Einschränkungen auch kreativ machen können.
Mit einer analogen Kamera konzentrierst du dich wieder stärker auf das eigentliche Fotografieren. Motiv, Licht, Bildaufbau, Blende und Belichtungszeit stehen im Mittelpunkt. Du kannst nicht nach jeder Aufnahme auf das Display schauen und entscheiden, ob das Bild gelungen ist.
Das Ergebnis siehst du erst später.
Und genau diese Spannung gehört für mich zur analogen Fotografie dazu.
Bei einem Film mit 36 Aufnahmen drückst du meist auch nicht fünf- oder zehnmal auf den Auslöser, nur um sicherzugehen. Du beschäftigst dich intensiver mit dem einzelnen Foto.
Warum Schwarzweißfilm für den Einstieg?
Schwarzweißfotografie passt besonders gut zur analogen Arbeitsweise.
Wenn Farbe wegfällt, werden andere Dinge wichtiger:
- Licht und Schatten
- Kontraste
- Formen
- Strukturen
- Linien
- Flächen
- Tonwerte
Ein rotes und ein grünes Objekt können auf einem Schwarzweißfoto beispielsweise sehr ähnliche Grautöne bekommen. Deshalb solltest du lernen, nicht nur Farben zu sehen, sondern vor allem Helligkeitsunterschiede.
Das ist eine hervorragende fotografische Übung – übrigens auch dann, wenn du später wieder überwiegend digital fotografierst.
Ein weiterer Vorteil: Schwarzweißfilm lässt sich mit überschaubarem Aufwand selbst entwickeln. Dazu kommen wir in einem eigenen Beitrag.
Welche analoge Kamera eignet sich?
Du brauchst keine besonders teure Kamera.
Eine klassische Kleinbildkamera für 35-mm-Film genügt völlig. Das kann eine vollständig manuelle Kamera sein oder ein späteres Modell mit eingebautem Belichtungsmesser und Automatikfunktionen.
Wichtiger als der Markenname ist, dass die Kamera zuverlässig funktioniert.
Prüfe vor dem ersten Film insbesondere:
- Funktioniert der Verschluss?
- Laufen die verschiedenen Belichtungszeiten plausibel ab?
- Funktioniert der Filmtransport?
- Ist die Rückwand lichtdicht?
- Arbeitet der Belichtungsmesser?
- Ist das Objektiv sauber und frei von starkem Pilz oder Beschädigungen?
Bei älteren Kameras können beispielsweise die Lichtdichtungen der Rückwand porös werden. Dann fällt Licht auf den Film und verursacht helle Streifen oder Flecken auf den Negativen.
Wenn du eine alte Kamera aus dem Familienbestand findest, solltest du deshalb nicht sofort einen wichtigen Film damit fotografieren. Ein Testfilm kann viel Frust verhindern.
Noch keine analoge Kamera?
Wenn du die analoge Fotografie ausprobieren möchtest, musst du nicht gleich viel Geld ausgeben. Bei uns im Geschäft haben wir regelmäßig gebrauchte analoge Kameras zu günstigen Preisen. Gerade für Einsteiger kann eine gebrauchte, funktionierende Kamera der sinnvollste Weg sein, um erst einmal herauszufinden, ob einem diese Art des Fotografierens gefällt.
Dabei können wir dir auch erklären, welche Kamera zu deinen Vorstellungen passt und worauf du bei älteren Modellen achten solltest.
Welches Objektiv brauche ich?
Für den Einstieg würde ich es einfach halten.
Eine Festbrennweite um 50 mm ist hervorragend geeignet. Solche Objektive sind häufig klein, lichtstark und zwingen dich dazu, deinen Bildausschnitt durch deinen Standort zu verändern.
Du kannst selbstverständlich auch ein 35-mm-, 85-mm- oder Zoomobjektiv verwenden.
Die Brennweite verändert genauso wie bei einer Digitalkamera die Bildwirkung.
Ein Weitwinkel zeigt mehr von der Umgebung. Ein Teleobjektiv verdichtet den Bildausschnitt. Eine lichtstarke Festbrennweite erleichtert das Fotografieren bei wenig Licht und ermöglicht eine geringe Schärfentiefe.
Wenn du mit einer alten Kamera fotografierst, überprüfe aber immer, ob Objektiv und Kameragehäuse tatsächlich miteinander kompatibel sind.
Welchen Schwarzweißfilm sollte ich verwenden?
Für die ersten Versuche würde ich keinen extrem empfindlichen oder sehr speziellen Film wählen.
Ein Schwarzweißfilm im Bereich von etwa ISO 100 bis ISO 400 eignet sich für viele Situationen.
ISO 100 bietet sich bei gutem Licht an und ermöglicht meist ein feines Korn.
ISO 400 ist universeller und gibt dir bei schwächerem Licht mehr Spielraum bei der Belichtungszeit.
Wichtig ist ein grundlegender Unterschied zur digitalen Fotografie:
Der ISO-Wert gilt für den gesamten Film
Bei einer Digitalkamera kannst du für jedes einzelne Foto den ISO-Wert verändern.
Beim Film legst du mit deiner Filmauswahl zunächst eine Empfindlichkeit fest. Ein ISO-400-Film wird normalerweise auch entsprechend belichtet.
Technisch kann man Filme zwar bewusst anders belichten und die Entwicklung entsprechend anpassen – Stichworte Push- und Pull-Entwicklung. Für den Einstieg würde ich das aber zunächst weglassen.
Erst einmal geht es darum, eine saubere und reproduzierbare Belichtung hinzubekommen.
Kleinbildfilm oder Rollfilm?
Die meisten Einsteiger beginnen mit dem klassischen 35-mm-Kleinbildfilm. Daneben gibt es aber auch Rollfilm, beispielsweise im Format 120, der in vielen Mittelformatkameras eingesetzt wird.
Auch diese Filme sind heute noch erhältlich.
Bei uns im Geschäft führen wir Schwarzweißfilme als Kleinbild- und Rollfilm. Für Kleinbildkameras haben wir außerdem Farbfilme im Sortiment.
Wenn du dir bei Filmtyp, Format oder ISO-Empfindlichkeit unsicher bist, kannst du deine Kamera einfach mitbringen. Dann schauen wir gemeinsam, welcher Film hineinpasst.
Film richtig einlegen
Je nach Kamera funktioniert das Einlegen etwas unterschiedlich.
Grundsätzlich öffnest du die Rückwand, setzt die Filmpatrone ein und ziehst den Filmanfang bis zur Aufwickelspule.
Achte darauf, dass die Perforation des Films sauber vom Transportmechanismus erfasst wird.
Nach dem Schließen der Rückwand transportierst du den Film normalerweise ein oder zwei Aufnahmen weiter, bis der unbelichtete Filmanfang durchgezogen wurde.
Mein Praxistipp
Beobachte beim ersten Filmtransport die Rückspulkurbel deiner Kamera.
Bei vielen Kameras dreht sie sich beim Weiterspulen mit. Dadurch kannst du erkennen, dass der Film tatsächlich transportiert wird.
Es ist ziemlich ärgerlich, vermeintlich 36 großartige Bilder zu fotografieren und anschließend festzustellen, dass der Film nie richtig eingelegt war.
Belichtung: Blende und Zeit funktionieren genauso wie digital
Die fotografischen Grundlagen ändern sich durch Film nicht.
Die drei bekannten Größen bleiben:
Blende – Belichtungszeit – ISO
Der Unterschied besteht darin, dass der ISO-Wert während des Films normalerweise feststeht.
Damit bleiben für deine Belichtung hauptsächlich Blende und Verschlusszeit.
Die Blende beeinflusst unter anderem die Schärfentiefe.
Die Verschlusszeit bestimmt, ob Bewegungen eingefroren oder sichtbar dargestellt werden und ob du noch verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren kannst.
Wenn du diese Zusammenhänge noch nicht sicher beherrschst, findest du hier unseren ausführlichen Beitrag: Fotografie Grundlagen – Blende, Belichtungszeit und ISO verstehen.
Wie messe ich die Belichtung?
Viele analoge Kameras besitzen bereits einen eingebauten Belichtungsmesser.
Je nach Kameramodell zeigt er dir beispielsweise über eine Nadel, LEDs oder Symbole an, ob deine gewählte Einstellung zu hell oder zu dunkel ist.
Bei einer vollständig mechanischen Kamera ohne Belichtungsmesser kannst du einen separaten Handbelichtungsmesser verwenden.
Zum Üben kann auch eine Belichtungsmesser-App auf dem Smartphone hilfreich sein.
Du misst das vorhandene Licht, überträgst ISO, Blende und Zeit auf deine Kamera und kannst anschließend fotografieren.
Mit etwas Erfahrung bekommst du schnell ein Gefühl dafür, welche Belichtungen in bestimmten Situationen ungefähr zu erwarten sind.
Schwarzweiß bedeutet nicht automatisch „Belichtung egal“
Ein alter Satz lautet häufig, Schwarzweißfilm verzeihe Belichtungsfehler.
Ganz falsch ist das nicht. Negativfilm kann durchaus Belichtungsspielraum bieten.
Trotzdem solltest du möglichst sauber belichten.
Denn aus einem stark unterbelichteten Negativ lassen sich auch bei der späteren Digitalisierung oder Vergrößerung keine beliebigen Details hervorzaubern.
Besonders Schatten können bei starker Unterbelichtung schnell leer und ohne Zeichnung bleiben.
Deshalb gilt auch analog: Lieber bewusst messen als einfach hoffen.
Manuell fokussieren – und plötzlich fotografierst du langsamer
Viele ältere Kameras besitzen keinen Autofokus.
Das ist zunächst ungewohnt, aber gleichzeitig eine hervorragende Übung.
Klassische Spiegelreflexkameras bieten häufig Einstellhilfen im Sucher, beispielsweise Schnittbildindikator, Mikroprismenring oder Mattscheibe.
Du drehst am Fokusring des Objektivs, bis dein Motiv klar erscheint.
Das braucht etwas mehr Zeit als moderner Augen-Autofokus.
Genau dadurch wirst du aber häufig gezwungen, bewusster zu entscheiden, wo die Schärfe liegen soll.
Unser Beitrag Autofokus richtig nutzen – wann manueller Fokus besser ist erklärt noch ausführlicher, warum manuelles Fokussieren auch heute noch sinnvoll sein kann.
36 Bilder verändern die Art zu fotografieren
Einer der größten Unterschiede zeigt sich erst draußen.
Eine Speicherkarte kann Tausende Bilder aufnehmen. Ein Kleinbildfilm hat normalerweise 24 oder 36 Aufnahmen.
Das verändert dein Verhalten.
Du fragst dich häufiger: Ist das Motiv wirklich interessant? Ist der Bildausschnitt gut? Kann ich meinen Standort verbessern? Sollte ich auf anderes Licht warten? Ist jetzt wirklich der richtige Moment zum Auslösen?
Diese Art des Fotografierens empfinde ich nicht als Einschränkung. Sie kann sogar helfen, das fotografische Sehen zu trainieren.
Schwarzweiß schon beim Fotografieren denken
Versuche nicht erst später zu entscheiden, ob ein Foto in Schwarzweiß funktioniert.
Suche bereits beim Fotografieren gezielt nach geeigneten Motiven.
- starke Licht-Schatten-Kontraste
- Architektur
- Strukturen
- alte Gebäude
- Porträts
- Nebel
- Landschaften mit klaren Formen
- Gegenlicht
- Wiederholungen und Muster
- minimalistische Motive
Ein farbenfrohes Motiv muss nicht automatisch ein gutes Schwarzweißmotiv ergeben.
Frage dich deshalb: Was bleibt von meinem Foto übrig, wenn die Farbe verschwindet?
Wenn die Antwort „Licht, Form, Ausdruck oder Struktur“ lautet, bist du meistens auf einem guten Weg.
Was passiert nach dem letzten Foto?
Wenn der Film vollständig belichtet ist, wird er zurück in die Filmpatrone gespult.
Öffne die Rückwand niemals, bevor der Film vollständig zurückgespult wurde. Sonst gelangt Licht an den Film und deine Aufnahmen können zerstört werden.
Und dann beginnt für mich einer der spannendsten Teile der analogen Fotografie: Aus dem belichteten Film muss ein sichtbares Negativ entstehen.

Dafür benötigen wir Entwickler, Fixierer, eine Entwicklungsdose und etwas Zeit.
Eine klassische Dunkelkammer ist dafür übrigens nicht zwingend erforderlich.
Wie du einen Schwarzweißfilm selbst entwickelst, welche Materialien du benötigst und welche Arbeitsschritte wichtig sind, zeige ich dir im nächsten Beitrag: „Schwarzweißfilm selbst entwickeln – Schritt für Schritt erklärt“.
Fazit
Analoge Schwarzweißfotografie ist technisch nicht besser oder schlechter als digitale Fotografie. Sie ist einfach anders.
Du arbeitest langsamer, kannst das Ergebnis nicht sofort kontrollieren und musst dich stärker auf deine fotografischen Entscheidungen verlassen.
Gerade deshalb ist sie eine hervorragende Möglichkeit, Grundlagen neu zu entdecken.
Kamera, Film, Blende, Belichtungszeit, Fokus und Bildgestaltung rücken wieder stärker in den Mittelpunkt.
Und du brauchst dafür weder eine teure Sammlerkamera noch exotisches Material. Eine funktionierende gebrauchte Kamera und der passende Film reichen für den Einstieg vollkommen aus.
Wenn du anschließend deinen ersten selbst belichteten Schwarzweißfilm entwickelst und die Negative aus der Dose holst, bekommt Fotografie noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
Häufige Fragen zur analogen Schwarzweißfotografie
Brauche ich für analoge Fotografie eine teure Kamera?
Nein. Eine funktionierende gebrauchte Kleinbildkamera reicht für den Einstieg vollkommen aus. Auch bei uns im Geschäft findest du regelmäßig günstige gebrauchte analoge Kameras.
Welchen Schwarzweißfilm sollte ich als Anfänger verwenden?
Ein Film mit ISO 100 bis 400 ist für den Einstieg gut geeignet. ISO 400 ist besonders flexibel, wenn du bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen fotografieren möchtest.
Gibt es überhaupt noch Filme zu kaufen?
Ja. Wir führen beispielsweise Schwarzweißfilm sowohl als Kleinbildfilm als auch als Rollfilm. Für Kleinbildkameras haben wir außerdem Farbfilm im Sortiment.
Kann ich bei einem analogen Film den ISO-Wert verändern?
Der Film besitzt eine feste Nennempfindlichkeit. Technisch kannst du davon abweichend belichten und die Entwicklung anpassen, für den Einstieg solltest du den Film aber zunächst mit seiner angegebenen ISO-Empfindlichkeit verwenden.
Muss ich Schwarzweißfilm in einer Dunkelkammer entwickeln?
Nein. Für die eigentliche Filmentwicklung benötigst du keine klassische Dunkelkammer. Lichtdicht arbeiten musst du lediglich beim Einspulen des Films in die Entwicklungsdose. Dafür kann beispielsweise ein Wechselsack verwendet werden.
Ist analoges Fotografieren schwieriger als digitales?
Nicht unbedingt. Die Grundlagen sind dieselben. Du bekommst allerdings kein sofortiges Ergebnis angezeigt und musst deshalb stärker auf Belichtung, Fokus und Bildgestaltung achten.
